Zweimal Full House an der BMS-Feier
Ein warmer, sonniger Juli-Freitag bildete den passenden Rahmen für die Berufsmaturitätsfeiern der BM2 sowie der BM1 / BM2 berufsbegleitend. Den Ton der Feiern setzten in Teilen BM-Lernende selbst: Ilektra Sarri und Selena Näf begleiteten mit klaviergetragenem Gesang die Berufsmaturitätsfeier der BM2, bei der Berufsmaturitätsfeier der BM1 / BM2 berufsbegleitend legten Juliana, Alex, Tony und Francesca mit einer Rockband nach; von Billie Eilish bis zu klassischem Rock füllten auch sie den Saal mit passender Stimmung.
Rektor Deola gratulierte den Maturi und Maturae und sprach in seiner eröffnenden Rede vom Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Bildung, so seine Kernbotschaft, mache unabhängig, weil sie Urteilsvermögen, Verantwortung und Charakter forme – Qualitäten, die keine KI ersetze. Lernen entstehe im Miteinander; wer gebildet sei, könne KI kritisch und verantwortungsvoll nutzen. Er würdigte die Leistung der Jahrgänge und ermutigte sie, die Chancen des Diploms selbstbewusst zu ergreifen.
Die Festansprache hielt der Winterthurer Digitalunternehmer und KI-Experte Roger Basler de Roca. Gewitzt und farbenfroh (inklusive Glückskekse-Würfe ins Publikum) ordnete er rasante Technologiewechsel ein – «künstlich» sei die Maschine, «Intelligenz» bleibe menschlich. Am Beispiel eines Benchmark-Tests für KI-Sprachmodelle («Humanity’s last exam») und anhand eines praktischen ad-hoc-Beispiels zeigte er Fortschritte wie Grenzen aktueller Systeme auf: Vieles wird inzwischen von KI-Modellen richtig beantwortet, vieles aber auch nach wie vor falsch. Die Botschaft an das Publikum lautete: KI eröffnet Zugänge und hilft, doch Denken bleibt menschliche Aufgabe – auch bei der Benutzung von KI. Wer nicht denkt, muss glauben. Die grösste Maschine sitze im Kopf; nutzen wir sie.
Als nächstes berichteten an beiden Feiern Absolventinnen und Absolventen von ihren Erfahrungen an der BMS bis zur Berufsmaturität. Die Eindrücke und Gedanken der Maturi und Maturae spannten sich vom augenzwinkernd erlebten Schulalltag bis zur stillen Erkenntnis. Mia Chaidos und Noemi Lena Bühlmann blickten in Versen auf ein Jahr zurück, das zuerst lang schien und dann im Flug verging – geprägt von Prüfungen, Lernlounge, Mensa, streikenden Druckern, unberechenbaren Ventilatoren und netten Grüssen des Rektors; am Ende stehen Stolz und Zuversicht. Lucie Kempf erzählte selbstironisch von der von ihr unterschätzten Abschlussrede, Pommes-Engpässen in der Mensa, BMA-Chaosphasen und Prüfungsdebatten – und davon, wie aus Fremden eine Klasse wurde. Mit einem augenzwinkernden Dank an den treuen Begleiter «El Tony Mate», einem herzlichen Dank an die Lehrpersonen und dem Wunsch an alle Maturi und Maturae, dass sie auch die Menschen und Erinnerungen mitnehmen, die dieses Jahr so besonders gemacht hätten, schloss sie ihre Rede. Giulia Langhard und Geronimo Bickel führten humorvoll durch ein Jahr mit holprigem Start (falsches Zimmer inklusive), prägenden Lehrpersonen, Freundschaften, einer erinnerungswürdigen München-Reise und nachlassender Lernkurve – Ziel erreicht, Erfahrung im Gepäck. Lina Suryawanshi (BM1) setzte in ihrem Redebeitrag mit Blick auf die erreichte Berufsmaturität einen tiefsinnigen Fokus auf die «arrival fallacy», den psychologischen Trugschluss, dass das Erreichen eines lang ersehnten Ziels uns dauerhaft glücklich oder erfüllt mache. Ziele machen nicht automatisch glücklich; wichtig sei das Innehalten im Hier und Jetzt – und der Wert des Erreichten an sich, stellte die frisch Maturierte treffend fest.
Auch Fakten durften an den Feiern nicht fehlen: Prorektor Thomas Kollbrunner fasste die Zahlen zu den Maturprüfungen zusammen – erreichte 4’585 Noten, 506 Maturprüflinge, 486 erreichte Maturen, eine Erfolgsquote von 96 Prozent: das die beeindruckenden Werte. Bei den Ehrungen übergab die ZHAW die Awards. Die School of Engineering, stellvertreten von Prof. Dr. Stephan Scheidegger, zeichnete Timo van Veen (GESO, BM2) mit 5.5 aus – verbunden mit Scheideggers Frage, wer «die Besten» sind und dem Plädoyer, Leistung zwar auch über Noten zu würdigen, aber auch darüber hinaus. Die School of Health Sciences (stellvertreten durch Prof. Dr. Katharina Fierz) ehrte die BM1-Absolvent:innen Ian Hofer (TALS) und Elena Ferrato (GESO) mit 5.5, Thomas Fitzli (TALS) und Stephan Hagmann (TALS) mit 5.6 sowie Lina Suryawanshi und Lilian Peter (beide GESO) mit 5.7 – mit der Hoffnung auf künftige Schritte Richtung ZHAW.
Zum Schluss der kunterbunten Feiern erfolgten die Übergabe der hart erarbeiteten BM-Diplome durch die Lehrpersonen und ein verdienter Apéro.
WäFa
Winterthur, 3. Juli 2026